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Frank, Anne

Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren, wo sie auch ihre ersten Lebensjahre verbrachte. Als 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen und die von ihnen erlassenen antisemitischen Gesetze und Verordnungen ein normales Leben für Juden immer schwieriger machten, entschloss sich die jüdische Familie Frank, Deutschland zu verlassen: 1934 flüchtete die Familie über Aachen nach Amsterdam.

In Amsterdam war Familie Frank zunächst in Sicherheit, bis die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 in die Niederlande einmarschierte. Unter deutscher Besatzung wurden nun auch hier antijüdische Gesetze erlassen. Wie sich all dies auf ihren Alltag auswirkte, beschrieb Anne Frank auf Niederländisch in ihrem Tagebuch, das sie im Juni 1942 zu ihrem 13. Geburtstag bekommen hatte:

»Erst kam der Krieg, dann die Kapitulation, dann der Einzug der Deutschen. Und nun begann das Elend. Ein diktatorisches Gesetz folgte dem anderen, und speziell für die Juden wurde es besonders schlimm. Sie mussten den Stern tragen, sie mussten ihre Fahrräder abgeben, sie durften nicht mehr mit der Elektrischen fahren, von Autos gar nicht zu reden. Juden durften nur zwischen 3 und 5 Uhr - und dann nur in jüdischen Geschäften - einkaufen. Sie durften nach 8 Uhr abends nicht mehr auf die Straße und sich nach dieser Zeit auch nicht im Garten oder auf dem Balkon aufhalten. Juden durften weder ins Theater noch ins Kino gehen noch andere Vergnügungsstätten besuchen. Sie durften auch nicht mehr schwimmen, Tennis oder Hockey spielen, überhaupt keinen Sport mehr treiben. Juden durften nicht mehr zu Christen zu Besuch gehen. Jüdische Kinder müssen jüdische Schulen besuchen. Und so häufen sich die Bestimmungen. Unter diesem Druck stand nun unser ganzes Leben.« (Anne Frank am 20. Juni 1942).

Otto Frank, Annes Vater, reagierte auf diese Situation, indem er ein Versteck für die Familie vorbereitete. Als Annes ältere Schwester Margot im Juli 1942 die Aufforderung erhielt, sich für die Deportation in ein Arbeitslager zu melden, tauchte Familie Frank sofort unter. Eine Woche später folgte ihnen die dreiköpfige Familie van Pels und im November 1942 Fritz Pfeffer in das Versteck, das sich in einem unauffälligen Amsterdamer Hinterhaus, nur durch eine Geheimtür erreichbar, befand.

Die Versorgung der acht Untergetauchten, die ihr Versteck selbst nicht mehr verlassen konnten, übernahmen befreundete Holländer. Anne Frank vertraute in dieser schwierigen Lebenssituation viele Einzelheiten ihrem Tagebuch an, wo sie an ihre imaginäre Brieffreundin Kitty über das Leben im Versteck, die Enge, die Langeweile und Streitigkeiten, und die große Angst, entdeckt zu werden, ausführlich berichtet.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wurde das Versteck der Untergetauchten verraten und am 4. August 1944 wurden alle dort lebenden Personen verhaftet. Anschließend wurden sie verhört und ins Durchgangslager Westerbork verbracht und von dort schließlich im September 1944 nach Auschwitz deportiert. Annes Mutter Edith Frank starb im Januar 1945 in Auschwitz an Hunger und Erschöpfung. Zu diesem Zeitpunkt waren Anne und ihre Schwester Margot bereits in Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo die beiden Schwestern im Frühjahr 1945 an Typhus starben. Nur Annes Vater Otto Frank überlebte den Holocaust.

Otto Frank lebte nach Kriegsende noch einige Jahre in Amsterdam, später dann in der Nähe von Basel in der Schweiz, wo er 1980 starb. Er widmete sich der Veröffentlichung und Verbreitung von Annes Tagebuch, das in 55 Sprachen übersetzt wurde und Anne Frank zu einem der bekanntesten Opfer des Holocausts machen sollte.

Das Haus in Amsterdam, in dem sich die Familie Frank versteckte, ist heute Museum und wird jährlich von über eine Million Menschen besucht. Auf der Website des Anne-Frank-Hauses kannst du dir in dem Bereich »Das Hinterhaus online« auch das Versteck in 3D anschauen.

Auf der Seite »Versteckt wie Anne Frank« erfährst du die Lebensschicksale von 23 Jüdinnen und Juden, die wie die Familie Frank versucht haben, in den Niederlanden unterzutauchen, um sich so der nationalsozialistischen Verfolgung zu entziehen.

Briefmarkenbogen der Deutschen Post mit Anne Frank
Sondermarken der Deutschen Post anlässlich des 50. Geburtstags von Anne Frank 1979
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