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Das Fellowship-Programm des Jüdischen Museums Berlin


Karen Körber am Pult

Karen Körber beim Rosch ha-Schana Empfang, 2012
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Svea Pietschmann

Mit Eröffnung der Akademie hat ein Fellowship-Programm für Forschungsvorhaben zur jüdischen Geschichte und Kultur sowie zu Migration und Diversität in Deutschland begonnen. Ausgewählt werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich in ihrem jeweiligen Fachgebiet ein herausragendes Ansehen erworben haben. Die erste Fellow des auf zwei Jahre angelegten Forschungsprogramms ist die Soziologin Dr. Karen Körber.

Forschungsbiografie

Karen Körber lehrte und forschte zuletzt am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaften und Psychologie an der Universität Bremen, der Freien Universität Berlin und der Columbia University, New York und promovierte 2004 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Feldforschung über die Einwanderung russischsprachiger Juden nach Ostdeutschland in den 1990er Jahren. Anschließend untersuchte sie an der Fachhochschule Erfurt die Folgen dieser Migrationsbewegung für die jüdischen Gemeinden Deutschlands. Von 2008 bis 2011 führte sie am Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft der Philipps-Universität Marburg ein Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft über »Transnationale Familiarität« durch, in dem der Wandel von Familienformen unter dem Einfluss von globaler Migration und Mobilität untersucht wurde. Die Ergebnisse lassen sich in dem von Karen Körber zusammen mit Ina Merkel herausgegebenen Band »Imagined Families in Mobile Worlds« (Special Issue of Ethnologia Europaea, Journal of European Ethnology, vol. 42:2, 2012) nachlesen.

Neben ihrer 2005 im Campus-Verlag erschienenen Doktorarbeit »Juden, Russen, Emigranten. Identitätskonflikte jüdischer Einwanderer in einer ostdeutschen Stadt« publizierte sie zahlreiche Aufsätze, in denen sie sich unter anderem mit jüdischer Identität, der Konstruktion von Ethnizität im Spannungsfeld von Diaspora und Nationalstaat sowie dem Wandel des Holocaust-Gedenkens im Zuge der jüdisch-russischen Zuwanderung nach Deutschland beschäftigt. Ihr besonderes Interesse gilt hierbei der empirischen Analyse von Konflikten um die Bedeutungen kultureller Identität.

Projekt: Lebenswirklichkeiten. Jüdische Gegenwart in Deutschland

Mit dem Fellowship setzt Karen Körber ihre Forschungen zum Wandel jüdischen Lebens in Deutschland fort. Zentral ist für sie die Frage, wie sich Prozesse der Pluralisierung und Differenzierung einer modernen Einwanderungsgesellschaft exemplarisch am Beispiel der hiesigen jüdischen Gemeinschaft beobachten lassen und welche Herausforderungen, Konflikte und Paradoxien daraus entstehen. Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts »Lebenswirklichkeiten. Jüdische Gegenwart in Deutschland« steht die zweite Generation der seit den 1990er Jahren eingewanderten russischsprachigen Jüdinnen und Juden. Mithilfe einer Online-Befragung sowie mit bundesweit durchgeführten Interviews soll das umfassende Portrait einer Gruppe entworfen werden, die sich ethnisch, religiös und kulturell diversifiziert hat. Die Untersuchung beschäftigt sich mit den Bildungs- und Berufsverläufen, der privaten Lebensführung sowie den jüdischen (und anderen) Identitätsmustern der jungen Erwachsenen. Erforscht wird dabei auch, welche Folgen die mobilen und transnationalen Lebensformen für die Wahl der sozialen Zugehörigkeiten und die Praxen der Vergemeinschaftung haben.

Das Projekt wird durch ein Kolloquium begleitet, in dem Forscherinnen aus verschiedenen Disziplinen Studien zum zeitgenössischen Judentum vorstellen. Mit der Untersuchung »Lebenswirklichkeiten. Jüdische Gegenwart in Deutschland« knüpft das Fellowship an die Programmatik der Akademie an, jüdische Geschichte und Gegenwart mit Fragen von Migration, Interkultur und Diversität zu verbinden. Die Ergebnisse des Projekts werden in einer Abschlusstagung präsentiert und anschließend in einer Publikation veröffentlicht.

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