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bios [torah]

Roboter-Installation

Ein mit einer Tintenfeder versehener Roboterarm schreibt auf eine Tora-Rolle

Die Roboter-Installation bios [torah]; robotlab

Ein Roboter schreibt eine Tora? Und er greift dabei nicht etwa auf digitale Drucktechniken zurück, sondern eignet sich den menschlichen Schreibakt an?

In der Ausstellung Die Erschaffung der Welt. Illustrierte Handschriften aus der Braginsky Collection (2014) war unter anderem zu sehen, wie Tora-Schreiber Reuven Yaacobov live an einer Tora arbeitete. Als Kontrapunkt hierzu zeigte die Installation bios [torah] unseren Besucher*innen, dass und wie ein mit Schreibfeder und Tinte versehener Industrieroboter in der Geschwindigkeit der menschlichen Handschrift eine rund 80 Meter lange Papierrolle mit insgesamt 304.805 hebräischen Buchstaben beschreiben kann.

Ausstellung bereits beendet

Übersichtsplan mit allen Gebäuden, die zum Jüdischen Museum Berlin gehören. Der Libeskind-Bau ist grün markiert

Wo

Libeskind-Bau EG, Eric F. Ross Galerie
Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Die Installation

Die Installation bios [torah] der Künstlergruppe robotlab verweist auf die Tätigkeit des Tora-Schreibens, die in der jüdischen Tradition von einem eigens dafür ausgebildeten Schreiber, dem Sofer, verrichtet wird. Während der Sofer die Heiligkeit der Schrift garantiert, unterstreicht die Installation deren industrielle Reproduzierbarkeit. Sie simuliert eine jahrhundertealte Kulturtechnik, die von den medialen Entwicklungen längst eingeholt wurde.

Eine Tora, die von dem Industrieroboter geschrieben wird, ist nicht koscher: Ihre Entstehung entspricht weder den materiellen noch den immateriellen Erfordernissen des jüdischen Religionsgesetzes. Der Roboter unterscheidet nicht zwischen Pergament und Papier. Er kennt auch keine Segenssprüche. Er schreibt, was und wie er programmiert wurde.

Der Titel der Installation enthält aber auch einen Verweis auf eine elementare Komponente der Computertechnik: das Basic Input Output System (BIOS). BIOS ist das System, auf dem alle Programme eines Computers aufbauen. Es ist für die Entwicklung der Maschine von ebenso fundamentaler Bedeutung wie die Schrift für die Kulturgeschichte des Menschen.

robotlab

Die Künstlergruppe robotlab setzt sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Maschine auseinander. In ihren Installationen und Performances im öffentlichen Raum kommen immer wieder Industrieroboter zum Einsatz. robotlab schafft experimentelle Anordnungen, die neue Perspektiven auf den Körper und die mechanischen Bewegungen von Robotern ermöglichen. Sie antizipieren damit den Blick in eine Zukunft, in der Roboter zum sichtbaren Bestandteil gesellschaftlichen Alltags geworden sind.

Projektmitarbeiter*innen und Dank

robotlab/Matthias Gommel, Martina Haitz, Jan Zappe 
bios [torah] (2007/14) 
Roboterinstallation

Mitarbeit hebräische Kalligrafie und Satz: 
Sahar Aharoni, Karlsruhe

Mit freundlicher Unterstützung von: 
ZKM Karlsruhe, KUKA Augsburg, LAMY Heidelberg, PAPIER UNION Karlsruhe, CORDIER Papier Bad Dürkheim, WINTOPO Biggleswade/UK

Informationen zur Ausstellung im Überblick

  • Wann 10. Jul 2014 bis 12. Apr 2015
  • Wo Libeskind-Bau EG, Eric F. Ross Galerie
    Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin
    Zum Lageplan

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