Eine Kindheit in Flatow

Erste Episode unserer Blogserie: »Erinnerungen aus dem Leben Walter Frankensteins«

Walter Frankenstein im Alter von siebeneinhalb Monaten im Kinderwagen, Flatow Februar 1925; Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Leonie und Walter Frankenstein

Wenn ich das Bild von dem Säugling in seinem Kinderwagen betrachte, ist für mich nur schwer vorstellbar, dass dies dieselbe Person ist, die mir noch vor wenigen Wochen in Stockholm im Alter von beinahe 93 Jahren gegenübersaß. Noch schwerer vorstellbar ist für mich das bewegte Leben, das zwischen diesen Momenten liegt und vielfach von plötzlichen und zum Teil tragischen Wendungen sowie mutigen Neuanfängen geprägt war.

Ich spreche hier von Walter Frankenstein, der dem Jüdischen Museum Berlin über 1.100 Fotografien geschenkt hat. Bilder, die sein gesamtes Leben von den frühesten Tagen seiner Kindheit bis ins hohe Alter abbilden. Die Aufnahme im Kinderwagen ist das älteste Foto in der Sammlung. Es zeigt Walter im Februar 1925 im Alter von siebeneinhalb Monaten auf einem Gehweg in seiner Geburtsstadt Flatow (heute Złotów), in der er am 30. Juni 1924 zur Welt kam. Sein Vater Max Frankenstein besaß dort einen Landhandel und eine Gastwirtschaft, die er von den Eltern seiner ersten Ehefrau, Emma Frankenstein, übernommen hatte. Nachdem Emma 1917 an einer Blutvergiftung gestorben war, hatte er 1923 Walters Mutter, Martha Frankenstein geb. Fein, geheiratet.

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Walter Frankensteins Leben in Bildern

Auftakt der Blogserie »Erinnerungen aus dem Leben Walter Frankensteins«

Walter Frankenstein mit Anna Rosemann und Theresia Ziehe in Stockholm 2017, Foto: Theresia Ziehe

Walter und Leonie Frankenstein durfte ich bereits 2008 in Stockholm kennenlernen. Schon damals war ich nachhaltig von unserer Begegnung und der innigen Partnerschaft der Frankensteins beeindruckt. Nach 66 Jahren Ehe strahlte das Paar noch immer Verliebtheit und einen tief empfundenen Respekt füreinander aus. Der Autor Klaus Hillenbrand, der in Nicht mit uns die Lebensgeschichte der Frankensteins erzählt, bringt diesen Eindruck ganz am Ende seines Buches mit einer Frage an das Paar treffend auf den Punkt: »›Gibt es das: die ideale Liebe?‹ Leonie sieht Walter an. Und Walter Leonie. Und dann kommt wie aus einem Mund die kürzestmögliche Antwort: ›Ja!‹«

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Veröffentlicht von am 4. Oktober 2017 3 Kommentare

Vielschichtig, verwoben und emotional

Fachaustausch über politische Erwachsenenbildung zum Nahostkonflikt

Verschiedene Broschüren liegen auf einem Tisch, z.B. mit dem Titel »Woher kommt Judenhass?«

Viele Träger bieten Materialien zur pädagogischen Auseinandersetzung mit Antisemitismus an; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Nadja Rentzsch

»Emotional« und »komplex« sind Schlagworte, die den Nahostkonflikt und den Umgang damit beschreiben. Wie geht man in der Alltagspraxis der Bildungs- und Fortbildungsarbeit damit um? So lautet eine der Fragen meines Forschungsprojekts »Didaktik des Nahostkonflikts« als W. M. Blumenthal Fellow (mehr zum Projekt auf der Museumswebsite).

Forscht man an der Universität oder an einem Institut, hat man in der Regel ein Forschungskolloquium mit Leuten, die zu ähnlichen Themen arbeiten oder zumindest aus derselben Fachdisziplin stammen. In diesen Kolloquien stellt man die eigene Arbeit vor, diskutiert die ersten Ergebnisse, bespricht den Umgang mit Schwierigkeiten und erhält neue Anregungen. An einem Museum beschäftigen die Menschen sich mit einer großen Vielfalt von Themen, aber nicht mit empirischer Forschung zur Didaktik des Nahostkonflikts. So lud ich für den 8. September externe Expert*innen der Bildungsarbeit über Nahostkonflikt, Antisemitismus und Rassismus ein, mit mir und Mitarbeiter*innen der Bildungsabteilung und der Akademieprogramme des Museums das Lehren und Lernen zum Thema zu diskutieren.  weiterlesen